Cream & Study: Auslandssemester in Melbourne

… wo Dozenten über WhatsApp antworten, der Campus einem Zirkus ähnelt und ich endlich in einem Camper wohnte

Australien die Dritte: Nach zwei Ausbildungen und einem Auslandsjahr in Australien hatte ich mich dazu entschieden mit 26 Jahren noch ein Studium anzufangen – aber nur, wenn ich dies mit einem Auslandssemester verbinden könnte. So saß ich bereits am dritten Tag meines Studienlebens im International Office, um mich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren. Drei Semester musste ich warten und ein bestimmtes Englischlevel erreichen und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Ich reichte meine Bewerbung für drei verschiedene Universitäten und Standorte ein und kümmerte mich um das Auslands BAföG. Damit war es natürlich noch lange nicht getan. Ein Auslandssemester ist mit viel Papierkram und Organisation verbunden – aber es lohnt sich.

Deakin University Melbourne, Burwood Campus

Deakin University Melbourne, Burwood Campus

Deakin University Melbourne

Da die Semester in Australien versetzt zu den Deutschen beginnen, hieß es für mich gleich nach der letzten Prüfung erneut ans andere Ende der Welt zu fliegen. Ich hatte zwar keine Semesterferien, aber als Internationale Studenten wurden wir von der Deakin University in Melbourne zu einem Kennlernwochenende inklusive Surfen, Strandaktivitäten und Partys in Lorne eingeladen, bevor der Studienalltag begann. Doch auch von Alltag konnte nicht die Rede sein, denn jeden Tag gab es irgendeine Attraktion. Entweder sprangen einem Cheerleader entgegen, oder es gab Pizza for free oder ein lebensgroßer aufblasbarer Elefant lief auf dem Campus herum. Die Uni war viel imposanter und technisch besser ausgestattet, was mich aber am meisten begeisterte waren die Dozenten. In australischer Lässigkeit sprach man sich mit Vornamen an und besprach Hausarbeitsprobleme eben über WhatsApp. Trotzdem war der Arbeitsaufwand hoch – Hausarbeiten, Vorträge und Tests gab es in regelmäßigen Abständen und so verbrachte ich viel Zeit vor meinem Laptop, oft in der gigantischen State Library, mitten in Melbournes CBD. Der größte Unterschied lag wohl darin, dass ich auf einmal in riesigen Vorlesungssälen mit bis zu 600 Studenten saß. Während ich in Deutschland immer meine rund 30 Leute um mich hatte, mit denen ich zusammen alle Kurse belegt hatte, hieß es für mich in Australien immer wieder neue „Freunde“ zu finden. Der Belegungsplan ebenso wie die Prüfungen und das IT-System unterschieden sich maßgeblich von Deutschland. Das eine oder andere Mal wäre ich ohne meine hilfsbereiten Mädels, die ich mir in jedem Kurs gesucht hatte, verzweifelt.

Lorne
State Libary
State Libary
Melbourne

Working as a Skin Care Consultant

Nebenbei arbeite ich bis zu 20 Stunden wieder als Skin Care Consultant in meiner alten Firma und lebte erneut in der Firmenunterkunft, was eindeutig günstiger war, als auf dem Campus zu leben. Zudem betrug das Durchschnittsalter in den Wohnheimen 20 Jahre, weshalb ich ganz froh war, auch noch ältere Leute auf der Arbeit um mich zu haben. Ich war froh, dass mein Chef mich so flexibel arbeiten ließ, sodass ich je nach Aufwand in der Universität eingesetzt werden konnte. Diesmal arbeitete ich aber nicht nur auf dem Verkaufsstand, sondern wurde auch im Recruitment eingesetzt. Ich kümmerte mich also auch um die Stellenanzeigen, die Bewerbungsunterlagen, die Vorstellungsgespräche und die Einarbeitung der neuen Mitarbeiter, was mir sehr viel Spaß machte.

Working as a Skin Care Consultant
Melbourne

Camper-Life

Mein Auslandssemester sowie meine Zeit in Australien vergingen erneut wie im Flug. Da ich mich in so viele Orte an der Ostküste verliebt hatte, wollte ich diese noch einmal bereisen und mir dabei gleich noch meinen Traum, endlich in einem Camper zu reisen und zu leben, erfüllen. Von Melbourne flog ich nach Cairns und bezog dort mein „Spaceship“ Camper. Hoch fuhr ich nach Cape Tribulation, wo ich von einer aufgewühlten Australierin erneut aus dem Wasser gezogen wurde, weil dort Krokodile gesichtet wurden. (Ich dachte immer, die leben nicht im Meer?!) Das Leben in Cape Tribulation war unglaublich – es gab keinerlei Internet- oder Handyempfang und die Leute, die dort lebten, hatten wenig Möglichkeit mit anderen Menschen zu kommunizieren. Von dort fuhr ich dann die Ostküste Richtung Süden – vorbei an Port Douglas, Mossman George und Cairns – mein erster Halt vor drei Jahren.

My home for one month
Whitsundays
Whitsundays

Tablelands

Weiter ging es durch die traumhaften Tablelands – die ihren Namen wohl daher bekamen, weil es hier immer ordentlich was auf den Tisch gab. Frischer Käse, selbst gemachte Schokolade und viele weitere Leckereien. Anhalten, wo es einem gefällt und weiterfahren, wann immer man will – so ein Freiheitsgefühl habe ich selten gespürt. Nachts parkte ich meinen Camper auf Campingplätzen, bevor es am nächsten Tag weiterging. Auf der Strecke bis nach Rockhampton war wenig zu sehen und so verbrachte ich fast zwei Tage nur im Auto. Wie wenig Autos einem unterwegs teilweise entgegenkommen, ist wirklich erschreckend.

Tablelands
Tablelands

Frazer Island

In Rockhampton ließ ich noch einmal vergangenes Review passieren bevor ich diesmal endlich meine Frazer Island Tour, die ich beim letzten Mal verpasst hatte, von Rainbow Beach aus antrat. Mit einem waschechten Australier als Tourguide machten wir uns in mehreren 4Wheels auf den Weg zur Fähre, um auf die größte Sandinsel der Welt überzusetzen. Diese Tour sollte mir einfach kein Glück bereiten, denn während meines kompletten Aufenthaltes regnete es wie in Strömen. Trotzdem waren der Lake McKenzie und die unfassbaren Massen an Sand beeindruckend. Auch wenn die Nächte im Zelt bei Starkregen alles andere als schön waren. Kurz bevor wir die Insel wieder verließen, kam die Sonne raus – Frazer Island und ich werden wohl keine Freunde mehr.

Frazer Island
Frazer Island
Frazer Island

Noosa

Auf Byron Bay und Noosa konnte ich wie immer zählen. Strahlender Sonnenschein, schönste Aussichten, aber unbezahlbare Campingplätze. So wurde auch mal an einer Autobahnraststätte geschlafen und in einem Schwimmbad eingekehrt, um nach vier Tagen wieder duschen zu können.

Noosa
Noosa
Noosa

Sydney

Die Strecke nach Sydney hielt nicht nur wunderschöne Berge und Aussichtsplattformen bereit, sondern auch einen beeindruckend Wildlife Park, indem ich noch einmal mit allen australischen Artgenossen auf Tuchfüllung ging. Das Leben im Camper war einfach und wunderschön zu gleich. Ich hatte alles, was ich brauchte bei mir. Ein Bett und ein kleiner Kühlschrank, ein Tisch und Klappstühle. Wo ich auch wollte, konnte ich meinen Mittagstisch ausbreiten. Das Schlafen im Camper war viel angenehmer als gedacht, und wenn es einmal zu heiß wurde, klappte ich die Heckklappe auf und befestigte das Mückennetz – träumen unter dem Sternenhimmel.

Wildlife Park

Nach rund 5.000 Kilometern gab ich mein Spaceship zurück und verbrachte die letzten Nächte in einem Hotel in Sydney. Diesmal entdeckte ich in der Nähe des Bondi Beach noch eine wunderschöne Stelle – einen Felsvorsprung, von dem aus man eine wunderbare Aussicht auf den Strand hat. Zudem besuchte ich alte Arbeitskollegen, die mittlerweile in Sydney arbeiteten. Zum Abschluss bestieg ich die Harbour Bridge – die kostenlose Variante – die aber mindestens genauso beeindruckend ist. Ein letztes Bier mit dem Blick auf das Opera House und eine Tour mit einer kleinen Bahn durch den Botanischen Garten und es hieß erneut – See you soon Australia!

Sydney
Sydney
In front of the Opera House
Bondi Beach
Bondi Beach

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