Hallo und herzlich Willkommen du wunderschöne, und zu wenig beachtete, Durchschnittsfrau!

Und gleich zu Anfang möchte ich die Frage aufwerfen, warum wir so große Angst davor haben dem Durchschnitt zu entsprechen? Ist man weniger besonders, weil man dem Durchschnitt angehört? Wollen wir nicht sonst auch immer dazu gehören? Ein Teil von etwas sein? Und ist das vielleicht auch der Grund, warum der Durchschnittsfrau, zumindest in der Mode hierzulande, so wenig Anerkennung geschenkt wird?

Die Durchschnittsfrau

Hier erstmal ein paar Fakten zu der deutschen Durchschnittsfrau. Wie die Zeitschrift Jolie basierend auf Daten des statistischen Bundesamtes (Jahreszahl) berichtet „[…] ist Frau Mittelmaß 1,64 Meter groß, wiegt 68 Kilogramm und trägt Konfektionsgröße 42/44 – von wegen Size Zero. Ihren BH trägt sie in Körbchengröße 80 C und ihre Haare sind dunkelblond.“

Doch ist es das, was wir auf den Magazinen, im Fernsehen oder in der Mode zu sehen bekommen? Nein! Denn die Modeindustrie bedient sich an dem aktuellen Schönheitsideal und das ist immer noch ein schlanker, sportlicher Körper mit zierlichen Gesichtszügen. Zum Glück hat sich einiges verändert seit ich die Fashion Week vor 10 Jahren verlassen habe. Dank der großartigen Body-Positivity-Bewegung wurde frischer Wind in die Fashion Welt gebracht. Plus Size sowie Curvy ist kein Fremdwort mehr für uns und mittlerweile strahlen diese starken Frauen uns von jeglichen Magazin-Covern entgegen! Durchaus ein Gewinn für uns Frauen im Allgemeinen!

Um eine wirkliche Veränderung in den Köpfen der Menschen zu schaffen, braucht es eine starke, eine extreme Bewegung. Etwas, das an der Body-Positivity-Bewegungauch immer wieder kritisiert wird. Denn auf einmal sieht man nur noch, wie jede Frau ihre „Makel“ in die Kamera hält und diese feiert. Aber das ist ein anderes Thema. Wir haben jetzt also die Size Zero Models und wir haben die Plus Size Models – doch etwas Wichtiges, das uns fehlt, ist das Mittelfeld. Die Mehrheit der Frauen, die sich weder mit der einen noch der anderen „Gruppe“ identifizieren kann. Weil sie in Übergrößen-Geschäften ebenso wenig fündig wird, wie im normalen Einzelhandel! Willkommen in der Grauzone – bei den Inbetweenies!

Braucht es eine Midsize-Bewegung?

Der Begriff steckt noch in den Kinderschuhen, besonders in Deutschland. Auch im Modehandel hat sich der Begriff noch nicht durchgesetzt und doch findet man auf Social Media die ersten kleinen Bewegungen dazu. Denn die Durchschnittsfrau meldet sich jetzt zu Wort! Diejenigen, welche die größte Kaufkraft ausmachen, denen aber zu wenig Beachtung geschenkt wird. Ich bin einer dieser Frauen – eine klassische 42/44. Doch worüber beschweren wir uns eigentlich?

Darüber, dass Designer mittlerweile zwei Schnittmuster anfertigen – eins für die Laufstegmodels und eins für die Plus Size Models – der Rest wird einfach angeglichen. Was dazu führt, dass Jeans meist eine Nummer größer gekauft werden, damit die Hüften reinpassen, dann aber an der Taille sitzen wie ein Sack. Oder eben in der Nummer, die im Stehen die perfekte Jeans ausmacht, man im Sitzen aber nicht mehr Atmen kann. Oder Blusen – die entweder an der Oberweite spannen sobald man sich bewegt oder in einer Nummer größer zu viel Einblick gewährt. Genau für diese Mädels, Mädels wie mich, braucht es mehr Midsize-Solidarität. Alles, was weder 90-60-90 noch Plus-Size ist!

Dabei geht es nicht darum, sich von dem einen oder anderen abzugrenzen, weil es schlecht ist. Jede Bewegung hat ihre eigenen Kämpfe zu bewältigen. Das ist es wohl auch, was die Body-Positivity-Bewegung kritisiert: wenn der Hashtag einfach wahllos von jedem benutzt wird und sich unter  diesem auch dünne Frauen, die im Sitzen ein kleines Speckröllchen haben, wiederfinden. Nein, sicher hat sie nicht die gleiche Schlacht geschlagen, muss nicht dabei zu sehen, wie ihr Körper täglich in den Medien zerrissen wird oder sie nach einem Blick als unfit abgestempelt wird. Aber ebenso kann die schlanke Frau als zu dünn, gar nicht mehr weiblich betitelt worden sein und damit auch Ausgrenzung erfahren haben. Denn genau das ist es ja, was uns alle vereint. Das Gefühl nicht genug zu sein.

Es gibt nicht nur dick oder dünn, sondern sehr viel dazwischen

Nachdem die beiden Außenpfeiler gesetzt wurden, ist für mich nun die Zeit gekommen das Mittelfeld aufzuräumen. Ich möchte mich der wunderbaren Body-Positivity-Kampagne nicht anschließen, denn sie haben für ihre Bewegung gekämpft und sich ihren Stellenwert hart erarbeitet. Meiner Meinung nach wäre es nicht fair, mich dort anzuschließen, denn ich entspreche nicht dem, für das sie gekämpft haben. Ich denke es braucht eine Midsize-Bewegung, eine Bodyneutratility-Bewegung, um die ganzen Frauen, die sich in keiner der beiden Bewegungen wiederfinden, abzuholen. Immer in dem Wissen, dass die Frauen der anderen Bewegungen uns den Weg geebnet und um einiges leichter gemacht haben!

Midsize bedeutet für mich, dass es nicht nur schwarz oder weiß, sondern eine ganze Menge grau dazwischen gibt. Es bedeutet sich dagegen zu wehren, dass es nur zwei Körpertypen gibt, von dem eigentlich nur einer richtig akzeptiert wird. Alle Körper sind gute Körper. Und ich setzte mich nun für meinen und alle Durchschnittsfrauen ein, denen gerne auch etwas Beachtung geschenkt werden darf!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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