Thailand & Dubai

…Touristen-Mafia, Flugzeugverweis und eine wenig glamouröse Rückkehr in die Heimat

Ich saß im Flugzeug und wischte mir die letzten Tränen von der Wange, während ich die letzten 11 Monate Revue passieren ließ. Doch bevor es über Dubai zurück nach Deutschland ging, machte ich noch einen Stopp in Thailand. Einen Monat wollte ich hier alleine herumreisen. Bis einige Tage zuvor herrschte allerdings noch Einreise-Stopp in Thailand. Trotzdem entschied ich mich dafür zu fliegen.

Bangkok

Mitten in der Nacht landete ich in Bangkok und bekam schon am Flughafen den ersten Kulturschock. Hier war es nicht mehr so westlich wie in Australien. Die Hitze, der Staub, die Leute – alles war so anders. Vergeblich suchte ich nach einer Sim-Karte, ebenso wie nach einem Taxi. Spät in der Nacht kam ich dann endlich in meinem Hotel an, welches ich bereits vorab gebucht hatte.

Tuk Tuk Mafia Bangkok

Am nächsten Tag fuhr ich mit einem Tuk Tuk durch ganz Bangkok und schaute mir gefühlte 1000 Tempel an. Ungefragt wurde ich auch zu anderen Attraktionen gefahren – wie nett, dachte ich. Wir hielten an einem Store, der mir ein maßgeschneidertes Kleid nähen sollte. Deutsch wie ich bin, wollte ich erstmal nur schauen- doch bereits zwei Sekunden später wurde meine Kreditkarte durch das Kartengerät gezogen und die Hälfte meines Reisebudgets war weg. Unter Tränen diskutierte ich mit dem Geschäft, dass ich das Kleid nicht will und damit die Hälfte meines Reisebudgets weg sei. In auf einmal schlechtem Englisch wurde mir erklärt, dass sich das Kleid bereits zwei Sekunden später in der Produktion befand und sie daher leider nichts machen könnten. Schon jetzt hatte ich genug von Bangkok. Als ich bei einer nächtlichen Tuck Tuck Fahrt auch noch einmal über den Tisch gezogen wurde und mein Backpack auf der Straße landete, flüchtet ich in einem Zug nach Chiang Mai.

18 Stunden dauerte die Fahrt und war das gruseligste, was ich je erlebt hatte. Während man sein Zeug in Australien ohne Bedenken überall rumliegen lassen konnte, wurde man hier alle zwei Minuten auf die vielen Diebstähle hingewiesen. Da ich alleine unterwegs war, schnallte ich mir meinen Backpack auf den Rücken und meine Tasche vor den Bauch und versuchte etwas zu schlafen. Als ich aufwachte, waren meine Knöchel schon ganz geschwollen vom Liegen und ich hatte Hunger. Also hoffte ich, dass wir bei so einer langen Fahrt an einem Bahnhof anhalten würden und ich mir etwas zu essen kaufen könnte. Dass es sich bei den Bahnhöfen allerdings nicht um wirkliche Haltestellen, sondern um Einfamilienhäuser handelte, war mir nicht bewusst. 14 Stunden hatte ich es mir ebenfalls verklemmt auf die Zugtoilette zu gehen, weil ich Angst hatte, in der Zeit beklaut zu werden. Der Blick in die Toilette, ein Loch im Boden, machte das Ganze nicht charmanter. Als ich es nicht mehr aushielt, schnallte ich mir beide Rucksäcke auf den Rücken und verschwand in der Zugtoilette.

Train Station Bangkok

Chiang Mai

Ein paar Massagen und Marktbesuche, einem Regenwald-Trip, Elefantenbaden sowie einer Wildwassertour in Chiang Mai später, lag ich mit einer Magen-Darm-Verstimmung flach. Ich hatte es versucht, aber nach 1 ½ Wochen Drama war nicht nur fast mein ganzes Budget aufgebraucht, sondern auch ich war ausgelaugt. So beschloss ich früher nach Hause zu fliegen.

Diesmal fuhr ich mit dem Bus zurück nach Bangkok, was um einiges angenehmer war. Ich buchte mir ein schönes Hotelzimmer, indem ich dank Magen-Darm die letzten beiden Tage fast vollständig verbrachte.

Da jemand in der Stadt gestorben war, dröhnten Gebete und Lieder, von morgens bis abends durch die ganze Stadt. Ich hatte das Gefühl, als würde jemand mit einem Megafon an meinem Ohr sitzen und Lieder spielen, die absolut keinen Takt hatten. Also entschloss ich, mich an meinem letzten Abend aus meinem Zimmer zu wagen. Ich betrank mich auf der schrecklich überfüllten Khaosan Road und kaufte ein paar Geschenke für Freunde und Familie.

Khaosan Road

Abreisetag: Mittlerweile war ich sehr dünnhäutig, was auch an den wenig hilfsbereiten Thais lag. Als ich mein Gepäck mit letzter Kraft die Treppen vom Hotel herunterschleppte und der Fahrer des Busshuttels mir auch nach mehreren Aufforderungen nicht half, schmiss ich ihm mein Backpack einfach in die Hände. Anscheint ging es hier nicht anders. Als ich die Tür des Busshuttels öffnete, indem ich einen Platz gebucht hatte, war bereits alles belegt. Der Busfahrer machte mir deutlich, dass ich mich auf den Schoss eines fremden Mannes setzten sollte. Zudem lag mir mein 30 Kilo schweres Backpack im Nacken. Auch wenn ich mich fragte, wofür ich dann einen Platz gebucht hatte, reichte die Kraft zum Aufregen nicht mehr.

Dubai

Im Flugzeug hatte ich immer noch mit meiner Übelkeit zu kämpfen. Als wir dann im Landeanflug auf Dubai ordentliche Turbulenzen hatten, war alles zu spät. Auf der Flughafen-Toilette wagte ich den Blick in den Spiegel. Ich sah aus wie der Tod. Kreidebleich. Wie oft hatte ich mir meine Rückkehr nach einem Jahr ausgemalt – dass ich so aussehen würde, hätte ich mir nicht erträumen lassen. Doch lange hatte ich keine Zeit darüber nachzudenken, denn das Boarding für den Heimflug stand an. Den Flugbegleiterinnen an Board entging meine Gesichtsfarbe auch nicht und so musste ich meine Boardkarte abgeben, damit man mich besser an meinem Platz betreuen könnte und bekam daraufhin ein Glas Wasser. Wir waren bereits weit über der Abflugzeit, aber das Flugzeug regte sich nicht. Bis die Durchsage vom Piloten persönlich kam, dass wir einen Notfall an Board hätten und sich unser Abflug daher noch etwas verspäten würde.

Wer hätte gedacht, dass ich der Notfall sei? Schneller als ich gucken konnte, bildete sich eine Traube an Menschen aus Flugbegleiterinnen, Ärzten und Betreuern um mich. Mein Blutdruck wurde gemessen und wild auf mich eingeredet, bis mir eine Flugbegleiterin erklärte, dass ich das Flugzeug leider wieder verlassen müsste. Ich dachte, dass sollte ein schlechter Scherz sein. War es nicht! Wie ein Kind klammerte ich mich an meinem Sitz fest und versuchte zu erklären, dass ich ein Jahr nicht zu Hause war, eine schreckliche Zeit in Thailand hatte und mich nur noch sechs Stunden von meinem Zuhause trennten. Es nütze alles nicht. Der Pilot hatte entschieden, dass die Gefahr einer Notlandung aufgrund meines Zustandes zu gefährlich sei und so wurde ich dem Flugzeug verwiesen.

Ich konnte es nicht fassen, da stand ich nun und wurde von wild gestikulierenden Männern mit Bart und Turban in die Notaufnahme des Flughafens gebracht. Ich bekam eine Infusion und sollte die nächsten drei Tage für weitere Untersuchungen in das Krankenhaus von Dubai verlegt werden. Ich entließ mich selbst und keine zwei Stunden später stand ich wieder am Flughafen und versuchte den nächsten Flug nach Hause zu bekommen. Meine Eltern, die bereits am Flughafen in Hamburg auf mich warteten, hatte ich informiert – die hatten sich das Wiedersehen nach einem Jahr wohl auch anders vorgestellt. Meine Fluglinie konnte mir erst einen Flug für den nächsten Tag buchen, also hing ich am Flughafen fest. Nach lautstarkem Protest verlangte ich ein Hotel – schließlich hatte ich das Flugzeug nicht freiwillig verlassen und mir ging es alles andere als gut. Selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich mir auch kein Hotel leisten können. Mein Handy und meine Kreditkarte funktionierten nicht, Geld hatte ich auch keines mehr und ob mein Koffer schon in Richtung Deutschland unterwegs war, wusste ich auch nicht. Sechs Stunden von der Heimat entfernt, stand ich mit meiner Handtasche am Flughafen von Dubai und hatte keine Ahnung was ich machen sollte.

Nach einiger Zeit hatten die Leute der Airline wohl genug von meinem Geschreie und so stellten sie mir ein Zimmer in ihrem Hotel neben dem Flughafen. Ich machte mich auf den Weg Richtung Ausgang und freute mich nur noch auf ein Bett. Doch ich sollte ein weiteres Mal aufgehalten werden. Diesmal an der Visa-Kontrolle. Natürlich hatte ich kein Visum für Dubai und durfte somit den Flughafen nicht verlassen. Als ich meine Geschichte erklärte, regte sich in dem Gesicht des Kontrolleures keinerlei Mitleid. Jetzt hatte ich zwar einen neuen Flug und ein Hotel, aber durfte das Flughafengebäude nicht verlassen. Mir platze der Geduldsfaden. Lauthals erzählte ich meine Geschichte aus Thailand, dem Flug und meinem Zustand. Ich versicherte, dass ich nicht in Dubai bleiben wollte, sondern am nächsten Morgen den ersten Flieger Richtung Heimat nehmen würde. Das schien den Kontrolleur zu überzeugen. Vielleicht wollte er aber auch einfach nicht mehr angeschrien werden. So hatte ich ein Stempel für vier Wochen Dubai in meinem Pass und konnte endlich schlafen gehen.

Nach dem Abenteuer meines Lebens und dem Horrortrip zum Schluss lag ich meinen Eltern nach einem Jahr endlich wieder in den Armen!

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Als Autorin und Gründerin von Cream & Travel berichte ich dir von meinen Abenteuern aus Berlin und der Welt und biete dir die Möglichkeit weltweit zu arbeiten und so deine Reisen zu finanzieren. Frei nach dem Motto: „Alles beginnt mit einem ersten Schritt – Buche jetzt!“

As the author and founder of Cream & Travel I´m taking you with me on my travels and offer you the possibility to work worldwide to finance yours, because everything starts with a first step!

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